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  • Johanna

Neurodermitis & Feldenkrais

Aktualisiert: Okt 12

Ich kann nicht aus meiner Haut... oder doch?


Schlangen häuten sich, Raupen werden zu Schmetterlingen, Eierschalen zerbrechen und ein Vogel schlüpft heraus. Unsere Körperzellen erneuern sich ständig. Alle sieben Jahre sind wir ein neuer Mensch. Alle 3 Monate haben wir eine komplett neue Leber. Und die Haut?


Was bedeutet ein Leben mit Neurdermitis?

Es ist zum aus der Haut fahren! Innere Unruhe und ein Wahnsinnig werden.

Wenn es mich innerlich zerreisst, die Haut aufreisst, ich mich blutig kratze und nicht aus meiner Haut kann. Gefangen in dieser inneren Welt in der etwas nicht stimmt und raus möchte und keine andere Möglichkeit als über die Haut nach Aussen zu kommen.

Keine andere Möglichkeit?

Vielleicht doch, bei der Feldenkrais Methode geht es darum Möglichkeiten zu haben, mehrere, mindestens drei um frei zu sein von Zwängen und Gewohnheiten. Wenn mich jemand anschreit und meine Reaktion ist immer automatisch die gleiche, vielleicht Rückzug, dann treffe ich nicht bewusst die Entscheidung wie ich in diesem Moment auf diese Situation regieren möchte. Sondern sehe nur die eine Möglichkeit. Dass es noch unendlich viele andere gibt (zurück schreien, ein klärendes Gespräch usw.), sehe ich nicht. Sie gehören nicht so meinen Möglichkeiten. Und so geht es mir mit meiner Haut. In meinem Körper, in mir herrscht Stress. Auf verschiedenen Ebenen, sei es durch Nahrungsmittel die mich angreifen, wie Zucker, Alkohol oder tierische Produkte, durch emotionale Überforderung durch Partner, Familie und Arbeitskollegen, durch physische Überlastung und zu wenig Schlaf zur regeneration oder durch so viele alte Wunden die noch da drinnen stecken und nicht geheilt sind. Und das Leben geht weiter, jeden Tag auf neue. Herausforderungen, Arbeit, Beziehungen, Konflikte. Aber eigentlich ist das Glas schon längst voll. Schon am überlaufen. Dies wird besonders bei andauernder Neurodermitis deutlich sichtbar. Es läuft die ganze Zeit über...Ich habe eine Toleranzgrenze, für Stress, für Zucker, für Schlafmangel, für Chips und Kaffee. Ich kann mich bewusst heran tasten, immer wieder, einen Cappuchino zu besonderen Anlässen, mal ein Stück Torte oder ein paar Nächte mit zu wenig Schlaf sind okay. Sind so lange okay, wie ich darauf achte, dass mein Glas nicht überläuft. Wenn diese Grenze erreicht ist bedeutet es Stress! Aber hallo. Es juckt, ich kratze, ich habe übertrieben und muss erstmal wieder regenerieren, heilen lassen und komplett verzichten. Und dann habe ich wieder die Wahl, wie gehe ich mit diesem Stress um?Wenn in meinem Inneren Unfrieden herrscht?Wie wäre es mit Meditation, sitzen und wahrnehmen? Oder einem Lauf in der Natur? Oder einen Tag lang schlafen und erholen? Oder auch mal mehrere Tage heilfasten und schlafen? Ich schaffe mir Möglichkeiten mich nicht unbewusst von dem Stress und der Krankheit beherrschen zu lassen, sondern ich setze mich ans Steuer und entscheiden jeden Tag aufs neue wo es hingeht. Ich nehme mich wahr und spüre. Ich entscheide bewusst und habe verschiedene Möglichkeiten. Und plötzlich ist Neurodermitis nur noch eine von vielen. Ein Weg den inneren Stress rauszulassen. Ein Weg auf Unfrieden in mir aufmerksam zu machen. Ein Ruf nach Aufmerksamkeit, dass das Glas mal wieder übergelaufen ist. Und je bewusster ich mir selbst werde umso eher erkenne ich die Zeichen, umso eher spüre ich, wie viel Schokolade noch okay ist und wann es reicht. Was sich gut anfühlt und wo ich über meine eigenen Grenzen gehe, mich und mein Gefühl im Stich lasse. Und einfach so vergehen die Wochen und Monate und meine Zellen erneuern sich, meine Haut ist nicht die gleiche die sie vor einem Jahr war. Jeden Tag habe ich die MÖGLICHKEIT neu zu entscheiden was für Hautzellen ich wachsen lassen möchte. Womit ich sie füttere und womit nicht. Jeden Tag habe ich die Wahl. Und irgendwie fühlt es sich nun so an als könnte ich doch aus meiner Haut!Und mein Selbstbild von mir und dieser Krankheit einfach absterben lassen so wie die alten Hautzellen die als Schuppen von mir fallen. Und dann bilden sich Neue. Gesunde. Und wenn ich innerlich in Frieden bleibe, dann muss ich äußerlich nicht mehr zerreißen. Dieser Frieden ist meine Entscheidung, jeden Tag, auf meine Art. Das ist nie die gleiche. Ich bleibe spontan, folge keinem Dogma, habe keine Disziplin. Dafür habe ich mir lange vergeben. So spüre ich einfach wie es mir heute geht, was sich gut und stimmig anfühlt und was nicht, ich wähle anstatt zu reagieren. Ich genieße die Meditation genauso wie ein Bier am Lagerfeuer, ich lebe statt zu überleben und lasse so den Stress gehen, der mich so lange hat kratzen lassen. Und ich bin dankbar, für jedes kleine Jucken, das mich ganz leise warnt wenn mein Glas wieder zu voll wird. Was ein Geschenk!



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©2020 Johanna Dransmann. Feldenkrais und Yoga in Münster